Zusammenfassung der Diplomarbeit: Problematik und Lösungsansätze verteilter CSCW-Anwendungen am Beispiel ====================================================================== einer exemplarischen Realisierung ================================= Stingl, T; Institut für Telematik, Rüdebusch, T; Prof. Krüger, Universität Karlsruhe, 1991 In der vorliegenden Arbeit wurde eine exemplarische Gruppenapplikation entwickelt, mit der beispielhaft alle wichtigen bei rechnergestützter Teamarbeit auftretenden Interaktionen demonstriert werden können. Neben dem Nutzen, den diese fortschrittliche Implementierung bietet, sind als weitere Ergebnisse die Erfahrungen bei der Entwicklung einer solchen verteilten, kooperativen Anwendung zu nennen, die zur Aufstellung eines Anforderungskataloges an eine adäquate Entwicklungsunterstützung sowie zur Bereitstellung einer Anzahl wiederverwendbarer Klassen führten. Zu diesem Zweck wurden die schon existierenden CSCW-Applikationen auf Verwendung hinsichtlich eines generischen Gruppenwerkzeugs hin analysiert, drei Programme wurden dabei näher untersucht. Es war zu Beginn der Diplomarbeit noch nicht festgelegt, ob eine völlige Neuentwicklung nötig ist oder ob ein existierendes Programm zu erweitern ist. Nachdem kein vielversprechender Ansatz in den untersuchten Implementierungen zu erkennen war, wurde ein von Grund auf eigenständiges Konzept entwickelt. Die Implementierung des interaktionsorientierten Mehrbenutzerwerkzeugs GroupIT erfolgte nach Abwägung aller Fakten nicht in der eigentlich vorgesehenen Sprache C++, sondern in der rein objektorientierten Sprache Smalltalk-80. In der im Verlauf der Diplomarbeit noch rechtzeitig vor Beginn der Implementierungsphase herausgekommenen neuesten Smalltalk-Version ParcPlace Objectworks / Smalltalk-80 Release 4.0 sind keine als Ausgangsbasis für graphische Editiermöglichkeiten tauglichen Klasssen vorhanden, so dass entsprechende Funktionalitäten zu implementieren waren. In dem schon länger installierten Smalltalk-80 Release 2.5 hatte eine Suche nach entsprechenden Tools wohl mehr Erfolg. Eine Implementierung innerhalb dieser Version hätte jedoch erheblich unter dem Mangel der fehlenden X-Windows Einbindung gelitten. Die realisierte Anwendung kann neben der Demonstration von verschiedenen Interaktionsausprägungen auch als Basis für die gemeinsame interaktive Erstellung und Inspektion von Gruppenbeschreibungen dienen und in seinen wesentlichen Bestandteilen einfach in die zukünftige NESTOR - Projektumgebung integriert werden. Mit der Demonstration des Modells für Interaktionen wurden als hierfür notwendige Aufgaben der Entwurf und die Realisierung der Kommunikationsabwicklung und die Entwicklung einer funktionellen und ansprechenden Benutzerschnittstelle mit umfangreichen Editiermöglichkeiten bewältigt. Da in der vorgegebenen Programmierumgebung am hiesigen Institut noch keine grösseren Systeme entwickelt wurden, betrat der Autor auf diesem Gebiet Neuland. Es ist davon auszugehen, dass wesentliche Teile des Programms als Plattform für weitere CSCW-Applikationen wiederverwendet werden können. Eine Erweiterung auf die Möglichkeit, Gruppenhierarchien durch Verknüpfung vorgefertigter Schablonen mit einfachen graphischen Symbolen kontrolliert zu erzeugen, liegt nahe. Relokations- und Replikationsmassnahmen von verteilten Objekten werden in einer gerade laufenden Diplomarbeit untersucht und können durch GroupIT genutzt werden, indem einfach die im Rahmen dieser Arbeit realisierten ad-hoc-Lösungen durch die neuen, allgemeingültigen Realisierungen ersetzt werden. Die Koordinationsproblematik verteilter Gruppenarbeit wird in weiteren Arbeiten untersucht werden. Nach Test und Inbetriebnahme von Audio-Karten für die vorhandenen Arbeitsplatzrechner kann mit der Einbeziehung von Audiodaten in GroupIT experimentiert werden, ausserdem ist die Integration eines am Institut entwickeltes Video-Tools nach Fertigstellung der Einbindung in die Smalltalk-Welt vorgesehen. Die Schnittstelle der Intratoolkommunikation zu den Netzwerk-Übertragungs- protokollen wurde bewusst so gehalten, dass eine Kooperation über Betriebssysteme hinweg, und damit z.B. zu Apple- und PC-Welten, in naher Zukunft möglich sein wird. Eine weitere Verbreitung von CSCW-Applikationen wird dazu beitragen, räumliche und zeitliche Barrieren durch die Mechanismen der computerunterstützten Zusammenarbeit zu überwinden. In diesem Sinne war die hier entwickelte generische Gruppenapplikation ein Wegbereiter auf neuen Pfaden. (1) CSCW: Computer-Supported Cooperative Work